„Arisierung" und Restitution von land- und forstwirtschaftlichem Vermögen
ISBN:
978-3-7001-5056-5
Verlag:
Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften
Land des Verlags:
Österreich
Erscheinungsdatum:
11.09.2026
Reihe:
Schriften zur Rechtsgeschichte Österreichs
Format:
Hardcover
Seitenanzahl:
471
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Die Entziehung und Rückstellung von land- und forstwirtschaftlichem Vermögen in der NS-Zeit bilden einen bislang wenig beachteten Aspekt in der rechtshistorischen Forschung. Die vorliegende Publikation widmet sich zunächst der Analyse von Rechtsgrundlagen und rechtspolitischer Aspekte der „Arisierungen“ ab 1938 und der Restitutionen nach 1945 mit spezifisch agrarischem Fokus, die umfassend und auf breiter Quellenbasis dargestellt werden. Mittels eines mikrohistorischen Ansatzes können aus erstmals dargestellten regionalen Akteuren auch generelle Schlüsse auf die Besonderheiten von „Arisierungen“ und Rückstellungen in der Land- und Forstwirtschaft gezogen werden. Ein Kernstück dieser Methodik bilden die Fallstudien aus dem Bezirk St. Pölten-Land, welche vielfältige Einblicke in das sozio-ökonomische und gesellschaftliche Umfeld der betroffenen Familien geben. Sie zeigen einerseits, wie Unrecht als Recht getarnt in unterschiedlichsten Formen zutage treten konnte, wie Entmenschlichung in persönlichen Schicksalen passierte und wo schließlich im tatsächlichen Rückstellungsgeschehen Verfahren mitunter problematische Ausgänge nahmen. Andererseits offenbart sich in den Fallstudien eine große biographische Vielfalt und Breite, die vom typischen „Landjuden“ bis zum Bankier als Gutsbesitzer, vom Kosmopoliten, der bereits in den 20er-Jahren zwischen Amerika und Maria Anzbach pendelte, bis hin zu sehr vermögenden und emanzipierten Frauen reichte. In diesem Kosmos begegnen wir etwa Egon Schiele und Arthur Schnitzler, den Familien Freud und Tugendhat, Hitlers Leibarzt Theo Morell sowie einer surrealen familiären Verbindung zu Adolf Eichmann. Das Buch geht bewusst über eine rein juristische Analyse bzw. Darstellung über eine Metaebene hinaus, zumal es sich gerade auch als Beitrag zum „Niemals Vergessen“ versteht und gewissermaßen Geschichte zurückgeben möchte.