Der KI-Staat
Künstliche Intelligenz stellt in Aussicht, die öffentlichen Institutionen schneller und schlanker zu machen. Lehrkräfte und Pflegepersonal sollen entlastet, Polizeiarbeit optimiert und Verwaltungsverfahren beschleunigt werden: Die Tech-Industrie hat längst den Staat als nächstes Anwendungsfeld im Visier – und dieser macht dankbar mit.
Hannah Ruschemeier und Rainer Mühlhoff zeigen, welche fatale Konsequenzen drohen, wenn das Effizienzversprechen der KI auf die Kernaufgaben des Gemeinwesens trifft. Denn wenn die Korrektur von Schularbeiten, die Regelung der Gesundheitsvorsorge oder die Verfolgung und Verurteilung von Straftätern in die Hand der Sprachmodelle gegeben werden, sind nicht nur die sensiblen Daten der Bürger, sondern auch der Rechtsstaat in Gefahr. Dieser muss, so das Plädoyer der Autoren, gegen den Selbstzweck des Bürokratieabbaus verteidigt werden, um die Errungenschaften der Demokratie zu bewahren.
Hannah Ruschemeierist Professorin für Öffentliches Recht und das Recht der Digitalisierung am Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Osnabrück. Sie forscht und lehrt zu KI- und Plattformregulierung, Datenschutzrecht und Privatheit, Rechtstheorie sowie Demokratie und Digitalisierung.