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Die Potenziale der Rüstungsindustrie in Mitteldeutschland

ISBN:
978-3-9827988-6-8
Verlag:
ITEL - Deutsches Lithiuminstitut
Land des Verlags:
Deutschland
Erscheinungsdatum:
07.09.2026
Autoren:
Reihe:
SPEEG. Series in Political Economy and Economic Governance
Format:
Softcover
Seitenanzahl:
56
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Wir leben in einer Zeitenwende. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die sicherheitspolitischen Grundannahmen der vergangenen Jahrzehnte erschüttert und in ganz Europa zu einer historischen Neubewertung von Verteidigungsfähigkeit und Sicherheitsvorsorge geführt. Zahlreiche Staaten erhöhen ihre Verteidigungsbudgets in einem Umfang, wie er seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr zu beobachten war. Damit verbunden ist ein erheblicher Anstieg der Investitionen in Sicherheitsforschung sowie in die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland entstehen daraus neue Wertschöpfungsperspektiven, die es strukturiert zu erfassen und regional nutzbar zu machen gilt. Für Mitteldeutschland eröffnet sich dabei eine besondere Chance: die Kopplung des kohlebedingten Strukturwandels mit den Erfordernissen der Zeitenwende. Der Ausstieg aus der Braunkohle setzt in der Region industrielle Kapazitäten, qualifizierte Fachkräfte und leistungsfähige Zulieferstrukturen frei, die sich mit den wachsenden Bedarfen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sinnvoll verbinden lassen. Wo der bisherige Transformationsdiskurs vor allem auf Kreislaufwirtschaft, Wasserstoff und nachhaltige Werkstoffe zielte, kann die Sicherheitswirtschaft zu einem weiteren tragfähigen Pfeiler eines gerechten Übergangs werden – mit sicheren, gut bezahlten Arbeitsplätzen und langfristiger Perspektive für die Menschen im Revier. Eine belastbare wirtschaftspolitische Debatte über diese Potenziale setzt allerdings verlässliche Zahlen voraus – und genau hier besteht bislang eine grundlegende Lücke. Für die Sicherheitsindustrien in ihrer ganzen Breite existiert bis heute kein wissenschaftlich fundierter Statistikschlüssel. Anders als etwa das verarbeitende Gewerbe oder die Automobilindustrie lassen sich Sicherheits- und Verteidigungsunternehmen und ihre Zulieferer in den amtlichen Wirtschaftsstatistiken nicht trennscharf abbilden. Die vorliegende Studie unternimmt daher erstmals den Versuch, eine statistische Erfassung der unterschiedlichen Sicherheitsindustrien und ihrer Zulieferer zu entwickeln und methodisch nachvollziehbar zu systematisieren. Damit leistet die Untersuchung mehr als eine regionale Bestandsaufnahme. Sie kann dazu beitragen, dass Mitteldeutschland im Feld der Sicherheitsindustrien eigene Chancen entwickelt – und dies vor einem historisch bemerkenswerten Hintergrund: Aufgrund der sowjetischen Besatzung durfte die Region vor der Wende keine eigenständigen Sicherheits- und Rüstungsindustrien aufbauen. Was jahrzehntelang verwehrt blieb, kann heute – im Zusammenspiel von Strukturwandel und Zeitenwende – zu einer Zukunftschance werden.