Jenseits der Staatsräson
Seit Jahren nehmen antisemitische Einstellungen zu, während zugleich das Wissen über die NS-Zeit abnimmt. Die Terrorattacken der Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel und der Krieg im Gazastreifen wiederum haben neben Polarisierung vor allem Sprachlosigkeit erzeugt. Der Grund, so Jacob Eder: Deutschland hat es sich lange als »Erinnerungsweltmeister« bequem gemacht und gesellschaftliche Veränderungen ignoriert. Er fordert ein Ende von starren Ritualen in der Erinnerungspolitik und eine Internationalisierung der Debatte. Nur so kann Deutschland seiner historischen Verantwortung auch in Zukunft gerecht werden.
Prof. Dr. Jacob Eder ist Zeithistoriker und lehrt Geschichte an der Barenboim-Said Akademie in Berlin. Er wurde mit einer mehrfach ausgezeichneten Arbeit über das Verhältnis von bundesrepublikanischer und US-amerikanischer Holocaust-Erinnerung an der University of Pennsylvania promoviert, die 2020 unter dem Titel »Holocaust-Angst« in Deutschland erschien.









