»Mama, bitte lern Deutsch«
Noch bevor Tahsim Durgun Fahrradfahren konnte, musste er für seine Mutter die Stromrechnung entziffern, begleitete sie als Dolmetscher zu Arztbesuchen und verlas ALDI-Kataloge am Küchentisch. Seine spätere Karriere als Deutschlehrer war da bereits vorgezeichnet. Wie praktisch, dass er sich seitdem an der Uni zwischen BWL-Justussen und Iced-Coffee-Claudias gut getarnt vor den Abschiebefantasien der AfD verstecken kann. Ein Privileg, das seiner kurdischen Mutter, an deren Küchentisch Tahsim jeden Abend zurückkehrt, verwehrt bleibt.
So wie Tahsim geht es vielen jungen Menschen mit migrantischen Wurzeln, die früh Verantwortung für ihre Eltern übernehmen und gleichzeitig ihren Platz finden müssen in einem oft feindseligen Land. Mit messerscharfer Intelligenz, großer Sprachgewalt und zynischem Humor reflektiert Tahsim Durgun, wie wir alle miteinander leben wollen – mit und ohne Migrationsgeschichte.
Tahsim Durgun begeistert auf Social Media Hunderttausende Follower mit seinen Videos über die deutsche Gesellschaft und das postmigrantische Leben. In Tahsims Interview Format (Funk) ist Zynismus das Instrument seiner Wahl, wenn er bekannte Persönlichkeiten wie Felix Lobrecht oder Enissa Amani zu Wort kommen lässt. 2024 wurde der Oldenburger für seine Arbeit mit dem Grimme-Publikumspreis, dem Blauen Panther und dem Creator of The Year Award ausgezeichnet. Anfang 2025 startete sein eigener Podcast, in dem er mit prominenten Gästen über die skurrilen und wichtigen Dinge des Lebens philosophiert. Sein erstes Buch Mama, bitte lern Deutsch war 11 Wochen auf Platz 1 der Spiegel Bestsellerliste.









