Pferdemädchen
Eine Ethnologin auf dem Reiterhof: Die renommierte Stadtforscherin Anja Schwanhäußer, die sich bisher für Underground, Punk und Subversion interessiert hat, kocht, mistet und longiert jetzt. Dabei entdeckt sie überraschend urbane Aspekte und Straßengang-Qualitäten bei den sogenannten Höheren Töchtern. Prestigekämpfe, Stilisierungen und die Gefahr des Gesichtsverlusts bestimmen auch hier den Alltag . Kategorien wie Stadt und Land, männlich und weiblich, Hoch- und Popkultur werden auf den Kopf gestellt und Mythen entzaubert. »Dr. Anja«, wie sie bald genannt wird, erzählt in ihrer Ethnografie szenisch und mit viel Liebe für ihren Forschungsgegenstand von Konflikten und Räumen der Begegnung, von Klassenscham und Sisterhood, von Pferden, Ponys und den Menschen, die sie lieben.
Pferdemädchen ist ein erzählendes Sachbuch, so bittersüß wie ein Wendy-Comic, das zeigt: Auf dem Rücken der Pferde werden die sozialen Verhältnisse sichtbar, in denen manche reiten und andere den Stall ausmisten.
Anja Schwanhäußer, 1972 in München geboren, ist Ethnologin und lebt in Berlin. Seit über 20 Jahren erkundet sie den Stadtraum und publiziert zu Urbanen Themen und Pop-Phänomenen sowie zum historischen Underground rund um 1968. In Forschung und Lehre kooperiert sie mit dem Comiczeichner Mawil, dem Architekturbüro Raumlabor und Theater-Regisseuren. Sie unterrichtet unter anderem an der Universität der Künste, der Universität Wien und der Universität Zürich. Außerdem hat sie die Gruppe »HorseArt« gegründet, die urbane Interventionen im Stadtraum unternimmt. Ein Schwerpunkt liegt neben der Methode der Feldforschung auf künstlerischen und literarischen Forschungspraxen.