Wir sind mehr als ein Datensatz
Verleiht die KI Flügel?
Wenn, dann nur einen. Mit einem Flügel fliegt niemand.
Volker Viechtbauer kennt den Satz von den Flügeln von innen: Fast drei Jahrzehnte arbeitete er bei Red Bull, viele Jahre verantwortlich für Recht und Personal. Die KI, sagt er, hebt tatsächlich den Boden – sie schreibt, rechnet, fasst zusammen, schneller als jeder von uns. Den zweiten Flügel aber, prüfen, auswählen, verantworten, muss der Mensch selbst bewegen. Von diesem zweiten Flügel handelt dieses Buch.
Mit Viktor Frankl stellt er die Frage, die hinter dem Streit um Jobs und Wohlstand steht: Was bleibt von mir, wenn eine Maschine immer mehr von dem kann, worauf ich stolz war? Vom Schlaftracker, der zum Richter über die eigene Nacht wird, bis zu Dostojewskis Großinquisitor, der den Menschen die Last der Freiheit abnehmen möchte, erkundet er die Verführung eines Lebens, in dem alles bewertet und immer mehr für uns entschieden wird. Die eigene Arbeitsweise nimmt er nicht aus: Dieses Buch ist mit KI geschrieben – „gegen KI und mit Hilfe von KI“ –, und am Ende antwortet die Maschine auf das Buch.
Sein Gegenentwurf heißt Selbstvergessenheit: nicht sich aufgeben, sondern sich einer Aufgabe, einem Menschen, einer Sache zuwenden. Viktor Frankl, der in Auschwitz erfuhr, was den Menschen hält, wenn ihm alles genommen ist, hat es vorgelebt.
Ein persönlicher, streitbarer Essay von Volker Viechtbauer über Leistung und Zutrauen, die Bequemlichkeit fertiger Antworten und den Mut, unvollkommen zu bleiben.