Zwischen Bühne und Befristung
Das Theaterarbeitsgesetz (kurz TAG) als Sonderarbeitsrecht enthält eine Reihe spezifischer Regelungen, die den besonderen Bedingungen des Theaterbetriebs auch arbeitsrechtlich Rechnung tragen sollen. Ein österreichisches Unikum stellt dabei das in den §§ 24 und 27 TAG verankerte Beschäftigungssystem für künstlerisch tätige Arbeitnehmer dar, das den befristeten Dienstvertrag als Regelfall bestimmt und mit einer ex lege Verlängerungsautomatik Kettendienstverträge auch über Jahrzehnte hinweg schrankenlos zulässt. In dieser Abhandlung soll nach einer arbeitsrechtlichen Einordnung dieses spezifischen Befristungssystems vor allem dessen Vereinbarkeit mit der Befristungs-RL 1999/70/EG im Mittelpunkt stehen, die auf der Ebene des Unionsrechts die zentrale Rechtsquelle zur Regulierung von befristeten Arbeitsverhältnissen ist. Darüber hinaus werden die §§ 24 und 27 TAG auch an den einschlägigen Grundrechten der GRC gemessen, um
abschließend die Vereinbarkeit des Befristungssystems im TAG mit dem Unionsrecht fundiert beantworten zu können.