Bleibefreiheit
Selten wurde Freiheit so intensiv diskutiert wie in der Pandemie: die Freiheit zu reisen, sich uneingeschränkt zu bewegen, Menschen dort zu treffen, wo man möchte. Doch wie zukunftsfähig ist ein derart räumlich abgesteckter Freiheitsbegriff, da wir Zeiten entgegensehen, in denen die Orte schwinden, an denen es sich leben lässt und Klimakrise oder Kriege ganze Landstriche unbewohnbar machen? Die Philosophin Eva von Redecker denkt Freiheit darum ganz neu: als die Freiheit, an einem Ort zu leben, an dem wir bleiben könnten. Bleibefreiheit entfaltet sich zeitlich. Als auch künftig lebbare Freiheit rückt sie nicht nur die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen in den Blick, sie verringert auch den Abstand zwischen dem Freisein Einzelner und ihrer Gemeinschaft. Bleibefreiheit lässt sich nur gemeinsam herstellen. Und sie wächst, wenn wir sie teilen.
Eva von Redecker, geboren 1982, ist Philosophin und freie Autorin. Sie war als Wissenschaftlerin in Berlin, New York und Cambridge tätig und forschte als Marie-Skłodowska-Curie-Fellow an der Universität von Verona zu Autoritarismus und Eigentum. Beiträge von ihr erscheinen u.a. in »Die ZEIT«, »Die Süddeutsche Zeitung«, »The Guardian« oder im »Philosophie Magazin«. Sie war »Metropolschreiberin Ruhr« und richtete u.a. am Schauspiel Köln und dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg vielbeachtete Gesprächsreihen aus. Bei S. FISCHER erschienen zuletzt der SPIEGEL-Bestseller »Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus« (2026), der für den NDR-Sachbuchpreis nominierte Essay »Bleibefreiheit« (2023) sowie »Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen« (2020). Aufgewachsen auf einem Biohof, lebt sie heute im ländlichen Brandenburg.









