Ökonomie und Gesellschaft / Soziale Kooperation
ISBN:
978-3-89518-992-0
Verlag:
Metropolis
Land des Verlags:
Deutschland
Erscheinungsdatum:
01.01.1995
Bearbeiter:
Format:
Softcover
Seitenanzahl:
302
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"Endlich allein!" - wie der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer eines seiner Bücher betitelt und damit seine Ausflüge in die Kooperationszwänge des menschlichen Miteinanders kommentiert. "Endlich zusammen!" - freut sich der Wissenschaftler, wenn in seinem Modell die eigennützigen Individuen freiwillig miteinander kooperieren. Daß Menschen kooperieren, d.h. miteinander arbeiten und dabei Vorleistungen erbringen, ist eine unbestreitbare Tatsache. Wozu Menschen dies tun, ist leicht erklärbar: Sie ermöglichen sich durch die Kooperation wechselseitige Vorteile. Aber warum Menschen ihre Eigeninteressen dem Gesamtinteresse unterordnen und damit auf individuelle Vorteile verzichten, um soziale Nachteile zu vermeiden, bedarf einer theoretisch befriedigenden Erklärung. Und die ist nicht leicht zu geben. Unterstellt man nämlich a priori den Menschen Kooperationswilligkeit, so hat man das, was erklärt werden soll, bereits als Motiv vorausgesetzt. Aus dem zu beweisenden Ergebnis wird unter der Hand die erklärende Ursache, die dann wiederum das Ergebnis beweist: Er gewinnt den Jackpot, weil er Glück hat, ein System erzeugt Loyalität, weil es die Loyalitätsfunktion erfüllt - ein semantischer Zirkelsprung von höchster Artistik. Ganz analog ist es mit Erklärungen der sozialen Kooperation, die altruistische Präferenzen, prosoziale Neigungen, moralische Einsichten oder Gerechtigkeitsvorstellungen unterstellen: Die Erklärungsursache ist jeweils die Substantivierung des zu erklärenden Verhaltens. Möchte man diesen (zirkulären oder systemfunktionalen) Erklärungsfallen entgehen, hat man nur zwei Möglichkeiten. Erstens, man thematisiert den Zielkonflikt zwischen Eigeninteresse und sozialem Kooperationsinteresse und versucht zu zeigen, unter welchen Bedingungen prinzipiell eigennützige und rationale Individuen Kooperationsvereinbarungen eingehen und auch einhalten. Zweitens, man zeigt, wie evolutiv in der Menschheitsgeschichte Altruismus, Prosozialität, Moral sowie Gerechtigkeit in das Handlungsvermögen der Menschen Eingang gefunden haben. Im ersten Fall liegt die Lösung in der korrekten Begründung von Instanzen, die die nicht-kooperativen Verhaltensweisen hinreichend verteuern, so daß rational die kooperative Verhaltensweise zu wählen ist. Im zweiten Fall liegt die Lösung in der korrekten Begründung einer prosozialen Handlungkompetenz, die immer dann, wenn sich Kooperation auf die Dauer und im Durchschnitt lohnt, eine kooperative Verhaltensweise generiert. Tatsächlich sind diese beiden Möglichkeiten keine Gegensätze, sondern ergänzen sich notwendigerweise. Denn strenge Eigennützigkeit und strikte individuelle Rationalität auf der einen Seite läßt eine soziale Kooperation verfehlen. Ein gewisses Maß an prosozialer Handlungskompetenz in Form einer Möglichkeit, sich selbst zu binden oder altruistisch zu sein, ist notwendig für soziale Kooperation. Prosoziale Handlungskompetenz auf der anderen Seite gerät aber in Konflikt mit dem Eigeninteresse des Menschen und wird ausbeutbar durch die Egoismen der anderen Menschen. So verbleibt letztlich nur eine Möglichkeit, das Zustandekommen sozialer Kooperation zu erklären. Man zeigt die Divergenz zwischen individuellem und kollektivem Interesse auf und bestimmt die Arten der Verteuerung des nicht-kooperativen Verhaltens: Selbstbindung, Gewissen, Einsicht, Lernen, Altruismus, Vereinbarung, Vertrauen, Normen, Zwang. Je nach dem Ausmaß und der Anreizstruktur der Divergenz erhält man unterschiedliche und verschieden präferierte Lösungen. Doch kann man die Prinzipien dieser Lösungen einer Systematisierung zuführen. In dem vorliegenden Band über "Soziale Kooperation" wird genau dieses Thema - individuelle eigennützige Rationalität im Konflikt mit kollektiv erwünschter Rationalität und die Prinzipien seiner Lösung - auf verschiedenen Ebenen betrachtet: der allgemein-gesellschaftlichen, der allgemein-kollektiven, der Unternehmungs- und der Arbeitsgruppen-Ebene.
Inhalt:
Werner Güth, Hartmut Kliemt: Elementare spieltheoretische Modelle sozialer Kooperation
Bernd Lahno: Sukzessiver Austausch - Vereinbarung und Vertrag
Wilhelm Althammer, Wolfgang Buchholz: Die Bereitstellung eines öffentlichen Gutes aus spieltheoretischer Sicht - Die Grundsachverhalte
Stefan Schenk, Peter Weise: Zur Evolution von Kooperation
Joachim Weimann: Freifahrer im Test - Ein Überblick über 20 Jahre Freifahrerexperimente
Max Frank, Joachim Grosser, Susanne Koch: Hierarchieversagen und die Vorteile kooperativer Führung - Anmerkungen zu Gary Millers "Managerial Dilemmas"
Wolfgang Brandes, Peter Weise: Arbeitsleistung von Arbeitsgruppen als Prozeß der Selbstorganisation
Inhalt:
Werner Güth, Hartmut Kliemt: Elementare spieltheoretische Modelle sozialer Kooperation
Bernd Lahno: Sukzessiver Austausch - Vereinbarung und Vertrag
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Stefan Schenk, Peter Weise: Zur Evolution von Kooperation
Joachim Weimann: Freifahrer im Test - Ein Überblick über 20 Jahre Freifahrerexperimente
Max Frank, Joachim Grosser, Susanne Koch: Hierarchieversagen und die Vorteile kooperativer Führung - Anmerkungen zu Gary Millers "Managerial Dilemmas"
Wolfgang Brandes, Peter Weise: Arbeitsleistung von Arbeitsgruppen als Prozeß der Selbstorganisation









